Die Blauzungenkrankheit, eine Tierseuche, die vor allem Wiederkäuer wie Schafe, Ziegen und Rinder betrifft, breitet sich aufgrund der Erderhitzung zunehmend aus. Während bisher vor allem landwirtschaftliche Nutztiere im Fokus der Berichterstattung standen, stellt sich auch die Frage, welche Auswirkungen die Krankheit auf Wildtiere und deren Lebensräume haben könnte.
Klimawandel begünstigt Ausbreitung von Tierseuchen
Die Blauzungenkrankheit wird von Stechmücken übertragen, die durch den Klimawandel immer weiter nach Norden vordringen können. Ursprünglich in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet, ist das Virus in den letzten Jahrzehnten im Mittelmeerraum heimisch. Mittlerweile hat es auch nördliche Teile Europas erreicht. Höhere Temperaturen verlängern die Aktivitätszeiten der Überträgermücken erheblich, sodass sich die Übertragungsperioden fast überlappen. Besonders der Serotyp 3, der hohe Sterblichkeitsraten bei Schafen verursacht, ist bereits in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen.
Gefahren für Nutztiere: Ein Vorbote für die Wildtierpopulationen?
Landwirtschaftliche Nutztiere wie Schafe und Rinder sind durch die Blauzungenkrankheit massiv gefährdet, was sich direkt auf die Fleisch- und Milchproduktion auswirkt. Wildtiere, insbesondere Wiederkäuer wie Rehe, Hirsche und Wildziegen, könnten allerdings ebenfalls stark betroffen sein. Zwar ist bislang wenig über die Anfälligkeit europäischer Wildtiere für die verschiedenen Serotypen des Virus bekannt, doch die zunehmende Nähe zwischen Wildtieren und Nutztieren – etwa durch landwirtschaftliche Flächen, die als Futterquellen dienen – könnte die Gefahr von Übertragungen erhöhen.
Blauzungenkrankheit: Wildtierpopulationen unter Druck?
Wildtiere sind in der Regel nicht geimpft und stehen daher ohne Schutzmaßnahmen der Krankheit gegenüber. Sterben viele Tiere, drohen langfristig Veränderungen in den Ökosystemen. Betroffen von der Blauzungenkrankheit sind Wiederkäuer. Sollten diese stark unter der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit leiden, könnte dies das ganze Ökosystem beeinflussen. Bisher verliefen Ausbrüche bei Wildtieren im Vergleich zu Schafen eher mild, sollten sich andere Serotypen der Tierseuche weiter verbreiten, könnte dies sich allerdings ändern.
Massentierhaltung und Tiertransporte als Verstärker der Blauzungenkrankheit
Ein entscheidender Faktor für die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit ist die Massentierhaltung. Die intensive Haltung vieler Tiere auf engem Raum und deren Transport über weite Strecken schaffen ideale Bedingungen für die Verbreitung von Krankheiten. Diese Dynamik birgt auch Risiken für Wildtiere, da Erreger aus landwirtschaftlichen Betrieben leichter in natürliche Ökosysteme gelangen können.
Handlungsbedarf für die Zukunft
Die Blauzungenkrankheit zeigt, wie eng Klimawandel, Tiergesundheit und die Dynamik natürlicher Ökosysteme miteinander verknüpft sind. Während Impfstoffe für Nutztiere entwickelt werden, die allerdings immer nur gegen einzelne Serotypen schützen, fehlt ein umfassender Plan, der auch Wildtiere in den Blick nimmt. Diese flächendeckend zu impfen stellt nämlich kein realistisches Unterfangen dar.
Die Blauzungenkrankheit ist ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel bisher lokale Probleme global werden lässt. Für Wildtiere könnte dies dramatische Folgen haben – nicht nur für einzelne Arten, sondern für ganze Lebensräume.